DIE STIMMKLANGGABEL A2 -
EIN INSTRUMENT ZUR ANREGUNG EINER BESSEREN STIMMFUNKTION

Als ein Hauptübel der Stimmfunktion bei Singen und Sprechen gilt wohl zurecht das Drücken, Pressen, Quetschen - wie auch immer man es nennen mag. Man könnte fast meinen, der Ton müsse im Kelhlkopf mühsam erzeugt und dann noch durch den Vokaltrakt hindurchgepresst werden. Doch es gibt eine "frohe Botschaft": der Vokaltrakt selbst ist ein Klangraum. Die Luftsäule zwischen Kehlkopf und Mund klingt selbst, so wie eine Glocke, oder wie die Luft in einem Flötenrohr. Einmal kurz angestoßen, klingt sie nach. Humanisierend formuliert: der Vokaltrakt möchte gern klingen, er nimmt den kleinsten Luftstoß vom Kehlkopf her gerne auf, um zu schwingen.
Zurück zum Vergleich mit der Glocke: Die Nachklingzeit ist nicht so lang wie bei einer Glocke. Das wäre übrigens insofern nachteilig, als dann die gesprochenen Laute und ihre Tonhöhen viel zu stark ineinander verfließen würden. Bevor man nun lange philosophiert, ob das Klingen des Vokaltraktes nun vielleicht zu stark gedämpft ist, um praktisch etwas damit anzufangen, wäre es besser, die Lage gleich experimentell zu erkunden.


TEIL A: ZIELSETZUNG UND HINTERGRÜNDE

Zielsetzung
Die Zielsetzung ist: die Klangfähigkeit des Vokaltraktes möglichst klar zu erleben und zu verinnerlichen. Diese Erfahrung dann zu nutzen, um den Stimmklang mit weniger Kraftaufwand (Druck) zu erzeugen und um ihn genauer zu hören und zu gestalten.

Zu möglichen Übungen
Es gibt einige Übungen, in denen der Vokaltrakt kurz angestoßen wird, um das Nachklingen zu hören. Etwa das "Fingerpitschen" gegen den Kehlkopf, oder das Erzeugen eines "Ventiltönchens". Diese Methoden und eine andere Übung werden weiter unten (Übung 7) kurz beschrieben. Mit der Stimmklanggabel läßt sich die Klangfähigkeit des Vokaltraktes intensiver und vor allem durchgehend - nicht nur über kurze Momente- erleben.

Wie man sich das Zusammenspiel von Vokaltrakt und Stimmklanggabel vorstellen kann
Die Stimmgabel schaukelt die Luft im Vokaltrakt zu einer Schwingungsbewegung auf, so wie man eine Schaukel leicht in starkes Pendeln versetzt, indem man genau im richtigen Moment, zum Beispiel immer direkt nach dem Wenden anstößt. Ein solchens Aufschaukeln funktioniert am besten, wenn die Anstoßrate (Anstoßfrequenz) genau so groß ist wie die sogenannte Eigenfrequenz der Schaukelschwingung (die Schwingungsfrequenz, die sich einstellt, wenn die Schaukel ohne Einwirkung von außen schwingt, z.B. einmal pro Sekunde hin und her). Bei einer Schaukel stimmt man also seine Anstoßfrequenz am besten auf die Eigenfrequenz der Schaukel ab.

Bei unserer Stimmgabel liegt deren Frequenz, mit der wir den Vokaltrakt akustisch anregen, fest, Wir stimmen nun die Eigenfrequenzen (der Vokaltrakt hat im Gegenstz zu einer Schaukel mehrere) des Vokaltraktes so ab, daß eine von ihnen möglichst gut mit der Stimmgabelfrequenz übereinstimmt. Wenn das der Fall ist, hört man den Stimmgabelton besonders laut und wird leicht feststellen, warum: der Vokaltrakt klingt!

Im Text zur Übungssequenz (Teil B) finden Sie Einzelheiten, dazu das genaue Vorgehen und weitere Übungen, bei denen auch die Stimme in´s Spiel kommt.


Die Eigenfrequenzen des Vokaltraktes
Bevor es los geht, noch ein paar Hinweise zu den Eigenfrequenzen des Vokaltraktes und ihrer klangformenden Funktion. Wie bereits erwähnt, hat der Vokaltrakt mehrere Eigenfrequenzen. Ihre Lage hängt davon ab, wie man Mundöffnung, Lippenrundung, Zungenform etc. einstellt. Zu jedem Laut gehören typische Eigenfrequenzen. Sie werden oft auch als Formanten bezeichnet. Für die Wahrnehmung von Vokalen sind besonders die beiden tiefsten Eigenfrequenzen des Vokaltraktes zuständig. Die Resonanzwirkung entsteht nicht nur punktuell auf exakt einer bestimmten Frequenz, sondern in einer etwas ausgedehnten Frequenzregion. In Tonhöhen ausgedrückt kann diese etwa eine Quarte überstreichen. Je besser man die Mitte einer solchen Region trifft, um so stärker ist natürlich der Resonanzeffekt. Die tiefere Formantregion (Formant 1) trägt einen dunkleren Klanganteil zu dem Vokal bei, die höhere (Fotmant 2) einen helleren. Für den Vokal "A" wie in "Jahr" beispielsweise liegt die dunkle Region (als A1 bezeichnet) etwa um 660 Hz, entsprechend in etwa einem Ton e´´, die helle (A2) um 1100 Hz entsprechend in etwa einem Ton cis´´´.

Für unsere hier beschriebenen, einführenden Übungen haben wir den Vokal "A" gewählt, weil dabei der Mund so weit geöffnet ist, daß die Stimmgabel gut ein kleines Stück hineingeschoben werden kann. Die Stimmgabelfrequenz von 1024 Hz liegt im Bereich des hellen Klanganteiles (bzw. zweiten Formanten, A2).

Anmerkung zum Begriff "Stimmklanggabel"
Eine Stimmklanggabel ist im Prinzip eine "normale" Stimmgabel. Sie zeichnet sich dadurch aus, daß ihre Schwingungsfrequenz so ausgelegt ist, daß sie einer möglichen Eigenfrequenz des menschlichen Vokaltraktes entspricht. Darüberhinaus sollte sie physikalisch so ausgelegt sein, daß sie auch in ihrer Form und Anregbarkeit optimal für die Vokaltraktanregung geeignet ist.
Sie ist damit also zur Arbeit am Stimmklang bestimmt, nicht zum Stimmen auf eine bestimmte Tonhöhe.


TEIL B DIESES DOKUMENTES

TEIL B ist eine ausführliche Beschreibung von Übungen mit der Stimmklanggabel. Sie finden sie in dem Dokument

> Stimmklanggabel_B (pdf, 1,1 MB)

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